Die perfusionssteigernde Wirkung

Die perfusionsverbessernde Wirkqualität macht die Überlegenheit von Procain gegenüber den amidstrukturierten Lokalanästhetika aus, vermutlich, so Barop, selbst bei der Umflutung der vegetativen Ganglien. Denn auch diese können, wie Leriche nachwies, perfusionsgestört sein (42). Eine Coeliacum-Umflutung etwa mit z. B. Lidocain oder Prilocain statt Procain ist folgerichtig als kontraindiziert zu betrachten.

Aldrete und Johnson (1970) waren es, die viel Verwirrung in die wissenschaftliche Literatur brachten, als sie den entstehenden roten Hof um Procain-Quaddeln im Gegensatz zu dem blassen Hof um Lidocain-Quaddeln als Ausdruck allergischer Reaktionen missdeuteten, nicht wissend, dass Procain auch an der Haut gefäßerweiternd wirkt, Lidocain dagegen gefäßkonstriktorisch (57c).

Dabei hatten du Mesnil de Rochemont und Hensel schon 1960 die Durchblutungsdrosselung unter Lidocain und die Durchblutungssteigerung durch Procain nachgewiesen (8a).

Die perfusionssteigernde Wirkung wird wahrscheinlich durch Diäthylaminoäthanol vermittelt (17), eines der beiden Procain-Stoffwechselprodukte, welches vermutlich parasympathikomimetisch am Gefäßsystem wirkt, d. h. aktiv gefäßdilatierend. Denn nach Untersuchungen von Clara wird die glatte Muskulatur der Blutgefäße nicht nur sympathisch, sondern auch parasympathisch innerviert (7).

Die P-Aminobenzosäure, das andere Stoffwchselprodukt von Procain, ist für dessen kapillarabdichtende Eigenschaft verantwortlich (39).

Die nicht über die Sympathikolyse ablaufende perfusionssteigernde Wirkung besitzen die amidstrukturierten Lokalanästhetika, z. B. Lidocain, nicht – im Gegenteil: Die im Vergleich zu Procain 2-3-fach höhere Toxizität von Lidocain kann sich u. U. perfusionsmindernd auswirken, so dass in manchen Fällen Lidocain kontraindiziert ist – z. B. in der topischen Anwendung bei bakteriellen Infektionen (57b).

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