Die Störfeldtherapie

Als Störfeld fassen wir eine chronische, meist abakterielle, meist lange Zeit symptomlose Entzündung oder deren Restzustände auf, welche durch andauernde Irritation vegetativer Endformationen an einem bestimmten Gewebsabschnitt den Gesamtorganismus regulatorisch belastet, d. h. schwächt.

Der Begriff „Störfeld“ stammt von Walter Huneke, ursprünglich sprach W. Scheid in seinem Buch „Das vegetative Nervensystem“ (1947) von „Störungsfeld“ (47).

Auffällig häufig sind es Narben, die Störfeldcharakter gewinnen können, und auffällig häufig finden sich Störfelder im Bereich des Kopfes: umschriebene und oft minimale chronische Entzündungen im Zahn-Kiefer-Bereich, an den Tonsillen und in den Nasennebenhöhlen. Grundsätzlich aber können Störfelder an jeder Stelle des Körpers vorkommen. Solche Störfelder aufzufinden und zu behandeln, ist die Domäne der Neuraltherapie nach Huneke.

Nehmen wir etwa ein beliebiges Narbenstörfeld: Hier kann es durch den minimalen, unter Umständen jahrzehntelang persistierenden Dauerreiz einer makroskopisch erfassbaren lokalisierten blanden Entzündung auf vegetative Endformationen zu umschriebenen Depolarisationsvorgängen an Zellmembranen kommen, welche vermutlich über lange Zeit – vielleicht jahre- oder jahrzehntelang – örtlich begrenzt bleiben. Das heißt: Die Störung wird innerhalb des Segments, zu dem sie gehört, abgefedert, auch wenn sie dort alle Regelsysteme unter Vorspannung setzt und deren auf Ökonomie bedachtes Einschwingverhalten deutlich belastet.

Erst eine zusätzliche Noxe, d. h. eine Verletzung, ein Unfall, ein psychisches Trauma, eine Operation oder auch nur ein viraler Infekt im Sinne des so genannten „Zweitschlages“ nach Speranski – ein Schüler Pawlows – bringt das Fass zum Überlaufen (9): Die örtliche Begrenzung ist nicht länger zu halten. Die Störung kann sich auf den gesamten zugehörigen Quadranten ausbreiten und / oder über den geschilderten sympathischen Leitungsbogen in u. U. ganz andere fern liegende Organsysteme. Geschieht dies mit einem potenten oder mehreren schwachen Störfeldern gleichzeitig, so wird der Mensch krank.

Im günstigsten Fall entwickelt sich eine wegweisende Schmerzsymptomatik, etwa so: Der Patient erkrankt an einer schmerzhaften Schultersteife, eilt ein oder zwei Jahre erfolglos von Arzt zu Arzt, begibt sich dann zu einem Neuraltherapeuten, der eine chronische apikale Ostitis an einem devitalen Zahn als schuldiges Störfeld entdeckt, kieferchirurgisch sanieren lässt und so die schmerzhafte Schultersteife in der Sekunde – deshalb „Sekundenphänomen“ – zum Verlöschen bringt.

Wenn es nur immer so wäre!