Die Wirkungsabläufe am gestörten Gewebsabschnitt

Das vegetative System und die von ihm vermittelten Funktionsstörungen versucht die Neuraltherapie nach Huneke unter Zuhilfenahme von Procain und seiner sympathiko/parasympathikolytischen Wirkung zu beeinflussen.

Neuraltherapeutisch zu beeinflussende Erkrankungen sind solche, die über eine Dekompensation von Regelkreisen infolge anhaltender Irritation vegetativer Endformationen entstanden sind, so dass die erforderliche Homöostase (der biologisch erforderliche Sollwert) nicht erreicht bzw. nicht gehalten werden kann. Die anhaltende Irritation des Vegetativums entsteht in der Regel durch chemische, thermische, mechanische, toxische oder infektiöse Schädigungen, welche zu einer Störung des Membranpotentials, damit Störung der Nervenmembranfunktion und damit zunehmend sich ausbreitender Funktionsstörungen von Regelkreisen führen. Erreicht die gezielte Injektion von Procain den gestörten Gewebsabschnitt, so kommt es zu einer nachhaltigen Perfusionsverbesserung und zur vorübergehenden Unterbrechung von Impulsfehlleistungen, gleichzeitig zur Normalisierung des gestörten Membranpotentials und damit zur Reharmonisierung des gestörten Regelkreises.

Der über die Strukturen des Vegetativums die Krankheit auslösende chronisch irritierte Gewebsabschnitt kann sowohl direkt am Ort der Erkrankung als auch fernab an völlig anderer Stelle liegen. Dann sprechen wir von einem Störfeld.

Die pathophysiologischen Vorgänge am gestörten Gewebsabschnitt und deren Vermittlung und Fortleitung durch sympathische Afferenzen hat tierexperimentell besonders Ricker (45) untersucht und nach ihm Kalbfleisch, Ordinarius für Pathologie an der Universität Rostock (32). Jänig, Lehrstuhlinhaber für Neurophysiologie in Kiel, bedauert, dass die Fortsetzung experimenteller Untersuchungen zu Einzelheiten der vegetativen Regulationsvorgänge (31) heute aus finanziellen Gründen zugunsten von Genforschung und Molekularbiologie zurücktreten muss (pers. Mitteilung, 2002).


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